Was ist gerecht? Wort- versus Zeilenpreise für Übersetzungen

Was ist gerecht? Wort- versus Zeilenpreise für Übersetzungen

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Als durch die Eröffnung des Büros von Language Connect in München die Preise für Übersetzungen auf den Euro-Raum angepasst werden mussten, sahen wir uns verschiedenen Möglichkeiten zur Preisberechnung gegenüber. Tatsächlich gibt es in Deutschland mehrere gängige Methoden zur Kostenerstellung von Übersetzungen. Manchmal dient der Text in der Quellsprache, mitunter der in der Zielsprache als Basis. Zum Teil werden die Preise noch nach Zeilen berechnet, zum Teil werden Preise pro Wort veranschlagt. Im Gegensatz dazu ist im angelsächsischen Raum die Berechnung von Wortpreisen das gebräuchlichste Verfahren.

Alle genannten Methoden führen natürlich zu unterschiedlichen Ergebnissen und Preisen. Was ist denn nun genauer und damit auch gerechter?

Die Methode der Abrechnung nach Zeilen datiert noch aus der Zeit, als auf Schreibmaschinen geschrieben wurde. Zu dieser Zeit war es natürlich weitaus umständlicher, die genaue Wortzahl eines Textes zu ermitteln. Zeilen waren schneller gezählt als Wörter. Also bot es sich an, jede Zeile auf eine bestimmte Zahl an Anschlägen zu normieren und dann die Zeilen als Maß zu nehmen (meist werden pro Normzeile 55 Anschläge inklusive Leerzeichen veranschlagt; allerdings kann diese „Normzeile“ auch variieren, es lohnt sich daher zu überprüfen, aus wie vielen Anschläge eine Zeile jeweils besteht). Im Zeitalter der Textverarbeitungsprogramme scheint diese Methode allerdings eindeutig überholt. In Sekundenschnelle kann heute, z.B. durch die Wordcount-Funktion in MS Word, die Wortzahl eines Textes ermittelt werden.

Aus dieser historischen Herleitung ist natürlich noch keine Aussage über die Gerechtigkeit eines Systems getroffen. Anders formuliert kann man sich auch fragen, welche Partei profitiert am meisten vom jeweiligen System? Der Auftraggeber oder der Auftragnehmer, also der Übersetzer oder der Kunde?

Für die Berechnung von Zeilenpreisen wir oft als Argument angeführt, dass die Anzahl an Wörtern in Texten in unterschiedlichen Sprachen oft stark variiert, z.B. dass ein Wort in der Ausgangssprache in der Zielsprache mit drei Wörtern übersetzt werden muss und die Wortzahl so plötzlich ansteigt. Wird in Zeilen bzw. Anschlägen abgerechnet, fällt dieser Faktor nicht so stark ins Gewicht. Das gleiche Argument kann auf die Länge von Wörtern übertragen werden.

Es ist wirklich so, dass Texte in manchen Sprachen in der Regel länger sind als andere. Englische Texte sind eher kurz. Deutsche Texte sind oft um 20-30% länger. Wörter sind unterschiedlich lang, Zeilen aber gleich lang. Durch die Berechnung in Zeilen wird dies berücksichtigt und die Unterschiede ausgeglichen. Es stellt sich aber trotzdem die Frage, inwiefern das Tippen von einzelnen Buchstaben ins Gewicht fällt. Ist die Auswahl der richtigen Wörter nicht viel mehr das, was die Kunst des Übersetzens ausmacht?

Zurück zur Länge eines Textes: Ja, die Länge eines Textes wird durch die Zeilenanzahl genau gemessen. Wenn sich Ziel und Ausgangstext durch eine Übersetzung in der Zeilenanzahl aber so stark unterscheiden, stellt sich die Frage, ob nun übersetzerfreundlich (bei Texten vom Deutschen in eine Fremdsprache nach der Zeilenanzahl in der Fremdsprache) oder kundenfreundlich abgerechnet wird.

Für die Berechnung von Wortpreisen in der Ausgangssprache spricht, dass das Berechnungssystem klar nachzuvollziehen, einfacher zu berechnen und somit transparenter ist. Die Preise sind im Voraus schon genau ermittelbar (wird die Quellsprache des Textes als Basis genommen). Ein Kunde kennt die Kosten, die auf ihn zukommen, schon vor Geschäftsabschluss und erlebt später keine bösen Überraschungen.

Aus genau diesem Grund hat sich Language Connect für die Tarifierung anhand von Wortpreisen, ausgehend von de Quellsprache entschieden. Zudem wird so dem Modell der Preiskalkulation der Londoner und Melbourner Büros gefolgt, um diese auch firmenintern zu vereinheitlichen.

Als Fazit gibt es keine Berechnungsmethode, die den anderen in allen Aspekten überlegen ist und den Nutzen aller Beteiligten maximiert.

Wen wundert’s … Letztendlich geht es aber auch nicht nur um den Preis allein, vielmehr sollte das Preis-Leistungs-Verhältnis einer Übersetzung stimmen.



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